Die aufgelassene S-Bahn-Station Olympiastadion-Oberwiesenfeld in München bietet ein sehr interessantes Fotomotiv. Diese Station wurde am 8. Juli 1988 geschlossen, obwohl man sie auch jetzt noch gerade für Großveranstaltungen im Olympiastadion gebrauchen könnte. Früher wurden bis zu 25.000 Leute in Spitzenstunden herangebracht und weggefahren werden. Dazu standen die Linien S11 Ostbahnhof - Laim - Olympiastadion im 10-Minuten-Takt zur Verfügung. Diese wurde mit Langzügen der Baureihe 420 gefahren. Ferner gab es noch die S5 Ostbahnhof - Johanneskirchen - Olympiastadion im 10-Minuten-Takt mit Vollzügen der Baureihe 420.

Wegen den vielen Zügen ergab sich ein Bedarf der Bahnsteiglängen von je 480 m und einer Breite von 10 bis 11 m. Ein einfach gehaltenes Empfangsgebäude schloss die Bahnsteige am Südende ab. Die Empfangshalle wurde über breite Treppen erreicht und war mit den Fahrkartenschaltern zusammen nach allen Seiten offen. Zum etwa 3000 m² großen Vorplatz konnte man Rollläden herunterlassen. Im Untergeschoss des Empfangsgebäudes befanden sich Aufenthalts- und Diensträume für die örtlichen Mitarbeiter und Lokführer. Die Gestaltung des Gebäudes kam von der Architektengemeinschaft Behnisch und Partner.

Gleis 3 führte unterhalb des aufgeständerten Empfangsgebäudes entlang und führte in das anschließende 650 m lange Auszieh- und Abstellgleis. Und Gleis 5 wurde noch für die verbliebenen Gleisanschlüsse benötigt, für die Firmen Chemische Werke Bärlocher, Firma Schröder, Firma Schrottag und Esso-Tanklager.

Die Bauarbeiten für diesen Bahnhof begannen am 1. Juni 1969. Am 7. November 1970 wurde der Bahnhof als Fernsteuerung an den benachbarten Bahnhof München-Milbertshofen angeschlossen. Eröffnet wurde der Bahnhof offiziell am 26. Mai 1972 zum Fußball-Länderspiel Deutschland - Sowjetunion. Eigentlich war die Nutzung des Bahnhofs bereits nach dem Ende der olympischen Spiele erfüllt. Er wurde jedoch für weitere Großveranstaltungen von Sonderzügen und der Sonder-S-Bahnlinie 11 bedient.

Nachdem auch die damalige S8 hier her eingestellt wurde, wurde der Bahnhof nur noch von Sonderzügen bedient. Beispielsweise im September 1988 für die Firma BMW oder am 29./30. September 1988 für Messesonderzüge der Firma Shell. Am 1. August 1990 wurde der Verkehr zum Bahnhof Olympiastadion endgültig eingestellt. 1989 wurden die Fahrleitungsanlagen außer Betrieb genommen und 1993 abgebaut, nachdem ein Jugendlicher tödlich verunglückte, nachdem er auf einen abgestellten Güterwagen kletterte. Seit 2000 ist der Bahnhof auch endgültig vom Münchner Nordring getrennt durch einen Gleisschnitt im Zuge des U-Bahn-Baus. Was mit dem Gelände jetzt passieren soll, ist unbekannt.

Die Fotos entstanden im September 2007.

 

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